Ölmann

Mi tierra es la eternidad …

Mein Land ist die Ewigkeit….

Hier bin ich geboren, hier werde ich sterben.
In sie gehen die Sekunden ein
die während meines Lebens sterben,
aus ihr kommen die Träume
die ich leben werde……

Meine Ewigkeit wird die Erinnerung sein,
Geschichte die meinem Land erzählt wird….

Mit diesen Worten von Aleja begrüße ich sie wieder sehr herzlich zur neuen 
Ausstellung im Wirtschaftshaus Unterhammer und bin zugleich schon mittendrin in dem, was diese Ausstellung ausmacht.

Diesmal trifft die Malerei von Cornelia Rhomberg Skulpturen Blanka Wilchfort,
weswegen wir die Ausstellung „Begegnung” genannt haben.

Es ist eine Ausstellung, die mit einer sehr abstrakten Idee angefangen hat und sich
dann zu etwas sehr Lebendigem entwickelt, was mich – ehrlich gesagt –
gleichermaßen verblüfft, wie gefreut hat. 

Und die Bande an meinem Herzen 1989, 21 x 35 x 21 cm, Steinnzeug, Glasur, Engobe
Schneckenkopf , 1992, 20 x 26 x 18 cm, Steinzeug, Glasur

Das Entstehen dieser Ausstellung ist für
das, was sie hier jetzt sehen, sehr wichtig gewesen, deshalb möchte ich ihnen ein
wenig davon erzählen.

Ich hatte schon eine Weile mit dem Gedanken gespielt, einmal Malerei und Skulptur
gemeinsam auszustellen aber so, daß sie nicht nur ergänzend einen Raum füllen,
sondern daß sie sich wirklich begegnen können. 

Ich wollte – und das sehen sie hier
im Raum auch verwirklicht – Malerei und Skulptur jeweils eine eigene „Ecke” geben
und sie sich nur an einem Punkt im Raum begegnen lassen. 

Ich wünschte mir, daß
man sich mit dem einen und dem anderen auseinandersetzen möge, die
Raumwirkung spüren und dann erfahren, was in der Mitte passiert. 

Sie merken schon, es war wirklich ein ganz abstrakter Gedanke.

Diesen Gedanken habe ich Blanka und Cornelia vorgelegt und habe von beiden die

Zusage bekommen, an einer solchen Ausstellung mitzuwirken.

Daß die beiden sich von einer gemeinsamen Gruppenausstellung kannten, machte die Entscheidungen wahrscheinlich einfacher. 

Und meine abstrakte Idee war nun zumindest mit Kunstwerken gefüllt.

Was dann passierte, haben wir allerdings alle drei nicht erwartet. 

Die Begegnung weitete sich aus. Wir trafen uns mehrfach, um festzulegen, wie die Ausstellung aussehen sollte, welche Werke gezeigt werden, wie genau die Begegnung stattfinden sollte.

Durchbruch, 1990, 24 × 20 x 33 cm, Steinzeug, Glasur, Stahlnägel,
Titel und Datum

Dabei stellte sich heraus, daß beiden Künstlerinnen eine wesentliche

Grunderfahrung im Leben gemeinsam ist: keinen geistigen oder realen Ort ihre Heimat nennen zu können. Niemals wirklich irgendwo Wurzeln zu schlagen.

Cornelia Rhomberg ist als Tochter deutscher Eltern in Equador geboren und aufgewachsen, mit 19 Jahren nach Deutschland gekommen und lebt seither zwischen den beiden Welten mit Freuden und Familie hier wie dort und der immer anwesenden Sehnsucht nach dem einen wie dem anderen.

Blanka Wilchfort lebt vor einem jüdischen Hintergrund in Deutschland, was nicht nur das Wurzeln schlagen an sich mühsam macht, sondern darüberhinaus auch die Frage aufwirft, wo der geistige Boden für die Wurzeln denn eigentlich zu suchen ist. 

Was bleibt ist auch hier die ständige Sehnsucht nach dem Unerreichbaren.

Sehnsucht ist ein wichtiger Aspekt in den Arbeiten beider Künstlerinnen. 

Eine Sehnsucht, die aus der Unmöglichkeit der Eindeutigkeit gespeist wird. 

Eine Sehnsucht, die das Unvereinbare zu immer neuen Begegnungen zwingt. 

Und in dieser Sehnsucht, die sich so ähnlich und doch so verschieden ist, begegnen sich die Arbeiten von Cornelia Rhomberg und Blanka Wilchfort auf einer Ebene, deren ich mir nicht bewußt gewesen bin, als ich die beiden zu dieser Ausstellung einlud.

Meine ursprüngliche Idee der Begegnung hat damit noch viele weitere Ebenen hinzugewonnen, die das, was sie jetzt hier sehen und erleben können wesentlich tiefer und lebendiger gemacht hat.

Titel und Datum
Titel und Datum

Wenn sie den Raum nun in seiner Diagonalen durchwandern, werden nicht nur die Unterschiede von Malerei und Skulptur spürbar, sondern auch die vollkommen verschiedene Umsetzung eines verwandten Themas.

Da sind die Skulpturen von Blanka Wilchfort auf der einen Seite, deren vorherrschende Grundformen der menschliche Kopf oder Körper, mal mehr, mal weniger direkt zu erkennen ist. Verschnüren und öffnen, manchmal regelrecht aufbrechen, sind dabei wiederkehrende Motive. 

Die Suche nach einer Balance zwischen Schutz und Mut. 

Manche Skulpturen zeigen Körper, die sich einrollen, sich selbst genügen, Heimat in sich selbst finden. 

Aber auch das Herumtasten wird Bild – aus sich selbst herauszureichen, die Wurzeln auszustrecken und nach einem Halt suchen in der umgebenden Welt.

Und dann, wie eine mögliche Erlösung, die Figur der „Beschützerin”, eine der letzten Arbeiten, die den Menschen zeigen, eingeschrieben in einen anderen Menschen. Verwurzelung nicht in sich selbst, nicht in der Erde, sondern im anderen.

 

Auf der anderen Seite die Arbeiten von Cornelia Rhomberg, der menschliche Körper, hier als Akt, neben geometrische Formen, Farbflächen gesetzt, die ihn noch klarer als die universelle und zugleich so individuelle Form hervortreten lassen, die er ist.

Neben den Körpern, hinter Farbschleiern, Zeitungsausschnitte, nur zum Teil leserlich, wie auch die Geschichte eines Menschen immer nur bruchstückhaft in Erscheinung tritt. 

Daneben Collagen, Bilder, die mich an Litfasssäulen erinnern, an denen die Jahre ihre Spuren hinterlassen haben. 

Schicht hat sich über Schicht gelegt, was darunter liegt nur zum Teil verdeckt und nun zu einer Erzählung verschmolzen. 

Titel und Datum
Titel und Datum

Eingekratzt, darüber geschrieben, Worte, die entziffert werden wollen (für die meisten von uns jedoch unverständlich, weil spanisch) -Es sind Gedichte, die von Equador und von der Sehnsucht erzählen. 

Sprache als eine Form von Heimat. 

Für die Interessierten sind einige Texte mit Übersetzung in den ausliegenden Mappen zu finden.

Ich hatte von der Uneindeutigkeit gesprochen. 

Dazu ist gehört meines Erachtens nach auch, daß beide Künstlerinnen sehr häufig mit Materialmixen arbeiten. 

Zum Ton Eisenteile, Drähte, Fäden und Wasser (oben in der Praxis) hinzunehmen – zur Acrylfarbe Zeitungsausschnitte, Photos, Sand und Erde. 

Beide haben also auch ihre künstlerische Heimat nicht in einem einzigen Material gefunden. 

Nicht nur inhaltlich, auch formal keine Eindeutigkeit.

Statt dessen Begegnung.

Jede Menge Sehnsucht, das Verschiedenartige zusammenzubringen und zu einem (vorläufigen) Ganzen zu formen.

Auch in dieser Ausstellung nun, haben wir vorläufig aus den unterschiedlichen Werken ein Ganzes geformt.

Mittelpunkt dabei ist die direkte Begegnung eines Bildes von Cornelia Rhomberg und einer Skulptur von Blanka Wilchfort.

Wir wollten diese Begegnung – auch wenn ich nicht rede – von Worten begleiten lassen.

Interessanter Weise haben wir erst ein Gedicht gesucht und dann zwei gefunden.

Das eine habe ich ihnen am Anfang vorgelesen, war von Cornelia Rhomberg ausgesucht.

Titel und Datum
Titel und Datum

Und an das Ende möchte ich die Worte von Hilde Domin stellen, die

Blanka Wilchfort zu ihren Arbeiten gewählt hat:

Das Gedicht heißt sehr treffend:

Sehnsucht

Die Sehnsucht lässt die Erde
Durch die Finger rinnen
Alle Erde dieser Erde
Boden suchend
Für die Pflanze Mensch.